Sanierungsgutachten

In Fällen von Ertrags- und in der Folge Liquiditätskrisen in Unternehmen werden von den finanzierenden Kreditinstituten in der Regel sogenannte Sanierungsgutachten als Bedingung für eine weitere Finanzierung des Unternehmens gefordert. Hierbei ist die Sprachregelung der Banken leider nicht einheitlich, so dass auch Begriffe wie Sanierungs-Check, (positive) Fortführungsprognosen, Fortführungskonzepte und viele mehr verwendet werden.

 

Inhaltlich sind hiermit meist die Analyse des Ist-Zustandes, die Analyse der Krisenursachen, Maßnahmen zur Beseitigung der Krise und eine entsprechend fundierte Ertrags- und Liquiditätsplanung, welche die erwarteten Kosten und Erfolge der Maßnahmen enthält, nebst Erläuterungen zu den Planungsannahmen gemeint. Ferner ist eine gutachterliche Aussage zu den Erfolgsaussichten einer Sanierung enthalten.


Der Verfasser eines solchen Gutachtens soll in der Regel ein sanierungs-kundiger und objektiver „Dritter“ sein. Dies meint, dass bereits mit dem Unternehmen befasste Berater wie Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwälte wegen deren Vorbefassung als Gutachtensersteller nicht in Frage kommen. 


Für die Erstellung solcher Sanierungsgutachten gibt es unterschiedliche Standards, in welchen Form und Inhalt beschrieben werden. Allerdings ist der Standard „S6“ des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) – aktuell in der Fassung „IDW S6 n.F.“ – der bei Weitem anerkannteste. Im Folgenden wird daher auf diesen Bezug genommen. Die Gliederung und der Inhalt eines solchen Gutachtes nach dem Standard IDW S6 sieht in Grundzügen etwa wie folgt aus, wobei es sich nur um einen groben Überblick handelt:


1. Darstellung und Analyse des Unternehmens
Zunächst werden Basisdaten wie rechtliche, organisatorische, finanz-, leistungs- und personalwirtschaftliche Verhältnisse dargestellt. Sodann erfolgt eine Darstellung der Unternehmenslage, welche Unternehmensumfeld, Branchenentwicklung, interne Verhältnisse und die weitere mögliche Entwicklung ohne Sanierungsmaßnahmen enthält. Folgend werden Krisenarten und Krisenstadien sowie Feststellungen zur Liquiditätslage und zu einer möglichen Insolvenzreife beschrieben. Abgeschlossen wird dieser Punkt mit der Analyse von externen und internen Krisenursachen sowie Aussagen zu Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und Annahmen zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit.  


2. Ausrichtung am Leitbild des sanierten Unternehmens
In diesem Abschnitt geht es um die zukünftige Positionierung des Unternehmens, wobei auf die Bedeutung des Leitbildes (im Wesentlichen der Strategie), die zukünftigen Unternehmensstrukturen und die zukünftigen Wettbewerbsvorteile und Wettbewerbsstrategien eingegangen wird.


3. Stadiengerechte Bewältigung der Unternehmenskrise
Gegenstand ist hierbei die Überwindung der verschiedenen vorliegenden Krisenarten oder anders ausgedrückt die Beschreibung von Maßnahmen zur Krisenbeseitigung. Bei den Maßnahmen ist nach bereits umgesetzten bzw. eingeleiteten und noch umzusetzenden leistungs- und finanzwirtschaftlichen Maßnahmen zu unterscheiden.


4. Integrierte Sanierungsplanung
Diese meint eine Ergebnis-, Finanz- und Vermögensplanung, welche neben dem reinen Zahlenwerk eine textliche Beschreibung der Problem- und Verlustbereiche und der Maßnahmeneffekte enthält. Ggfs. sind Kennzahlenmodelle zu ergänzen.


5. Berichterstattung und Schlussbemerkung
Diese berichtet unter anderem über Art, Methodik und Umfang der Gutachtensarbeit. Sie erläutert die Beachtung des Standards (IDW S6) sowie die Konformität zur einschlägigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Abschließend kommt das Gutachten idealerweise zur der Aussage, dass das Unternehmen bei objektiver Betrachtung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit saniert werden kann und damit zutreffend von einer positiven Fortführungsprognose auszugehen ist. Des Weiteren ist zu bestätigen, dass die geplanten und bereits umgesetzten Maßnahmen zur Sanierung geeignet sind und die Sanierung begründete Erfolgsaussichten hat. 


Alternativen zum Sanierungsgutachten nach IDW S6:
Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, dass diese Arbeiten einen erheblichen Umfang erreichen können, was insbesondere für kleinere Unternehmen finanziell in einer Krise nicht zu leisten ist. Vor diesem Hintergrund begnügen sich einige Kreditinstitute insbesondere bei kleineren Unternehmen mit der Erstellung einer sogenannten „positiven Fortführungsprognose“ – auch Fortführungskonzept genannt.
Formal handelt es sich hierbei um eine Art Vorstufe eines vollinhaltlichen Sanierungskonzepts, welche in Textziffer 13 des Standards IDW S6 beschrieben ist. Dieses Fortführungskonzept beschreibt im Wesentlichen Maßnahmen zur Herbeiführung bzw. Sicherstellung der Fortführungsfähigkeit – in anderen Worten: Maßnahmen, die eine Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung abwenden. Hierzu gehört ebenfalls eine integrierte Planung über mindestens das laufende und das folgende Jahr mit entsprechenden Erläuterungen zu den Planansätzen. Häufig werden von den Kreditinstituten weitere inhaltliche Punkte gewünscht.   

 

Diese Darstellung hat verständlicherweise nicht den Anspruch einer vollständigen Würdigung des Themas. Sie soll dem Interessierten zunächst einen groben Überblick geben und Strukturen von Sanierungsgutachten vermitteln. Sollten Sie Fragen haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.


Dipl.-Kfm. Bastian Brügesch
Helmerichs Business Consulting

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