Ärzte/Gesundheitswesen: Die Bedeutung der fristenkongruenten Finanzierung

1.Was ist eine fristenkongruente Finanzierung?

In der Praxis wird sich für den Unternehmer bei geplanten Investitionen in der Regel die Frage nach der geeigneten Finanzierung ergeben. Insbesondere bei hohem Investitionsbedarf entfällt hierbei oftmals die Möglichkeit der Finanzierung aus eigenen Kapitalmitteln, so dass solche Investitionen häufig kreditfinanziert werden.

Beispielhaft sei an dieser Stelle das Gesundheitswesen genannt. Je nach Fachrichtung investieren Arztpraxen mitunter sehr hohe Beträge in medizinische Geräte. Die Preise für ein Röntgengerät liegen zwischen 50.000 und 200.000 Euro, für einen Computertomographen bei mehreren hunderttausend Euro und gehen für einen Magnetresonanztomographen schnell bis in den siebenstelligen Bereich – zuzüglich etwaiger baulicher Maßnahmen in den Praxisräumen, beispielsweise Strahlenschutzmaßnahmen.

Für derartige kreditfinanzierte Investitionen stellt sich nun die Frage nach der Finanzierungslaufzeit. Dabei gilt der Grundsatz der Fristenkongruenz. Dies bedeutet, dass die Finanzierungsdauer der Nutzungsdauer der Investition entsprechen sollte. Hierbei sollten sowohl die tatsächlichen, als auch die steuerlich relevanten Nutzungsdauern, welche von den tatsächlichen Nutzungsdauern oftmals abweichen, berücksichtigt werden. Während der Unternehmer die tatsächliche Nutzungsdauer in der Regel im Blick haben wird, bleibt die steuerlich relevante Nutzungsdauer in der Praxis oftmals unberücksichtigt.

2. Welche Gefahren entstehen aus nicht gegebener Fristenkongruenz?

Eine Finanzierung, die nicht dem Grundsatz der Fristenkongruenz entspricht, birgt für den Unternehmer möglicherweise erhebliche finanzielle Risiken.

Übersteigt die Finanzierungsdauer die tatsächliche Nutzungsdauer der Investition, so muss unter Umständen bereits Ersatz beschafft werden, während für die ursprüngliche Investition noch Finanzierungsleistungen zu tätigen sind. Dies führt zu einer finanziellen Doppelbelastung für den Unternehmer.

Ist die Finanzierungsdauer hingegen zu kurz gewählt, ergibt sich während des Finanzierungszeitraums eine Mehrbelastung für den Unternehmer, da die Investition sich noch nicht durch entsprechende Erträge amortisiert hat, und steuermindernde Abschreibungen zum Teil erst nach Ablauf der Finanzierungsdauer zum Tragen kommen.

Ein oftmals unbeachtetes Risiko ergibt sich aber auch, wenn die Finanzierungsdauer die steuerlich relevante Nutzungsdauer übersteigt. Während zunächst die Finanzierungsleistungen durch steuermindernde Abschreibungen auf der Liquiditätsebene teilweise kompensiert werden, entfällt dieser Effekt nach Ablauf der steuerlichen Abschreibungsdauer. Der Kapitaldienst ist somit plötzlich aus versteuerten Erträgen zu leisten.

3. Welche Lösungsansätze gibt es für die „Kongruenzfalle“?

Um Risiken wie die Vorgenannten zu vermeiden, empfiehlt es sich, sowohl die tatsächliche, als auch die steuerliche Nutzungsdauer bereits im Vorfeld in die Wahl der geeigneten Finanzierung mit einzubeziehen.

Hat der Unternehmer nun jedoch eine Finanzierungsentscheidung getroffen, bei der die Fristenkongruenz nicht gegeben ist, wird ihm dies im Nachhinein oftmals erst bewusst werden, wenn eine der beschriebenen Situationen eintritt. Der Unternehmer befindet sich in der „Kongruenzfalle“. In dieser Situation sollte der Unternehmer den Kontakt zum Kreditgeber suchen, um Lösungen zu finden, die finanziellen Auswirkungen abzumildern. So lässt sich durch eine Umschuldung oder Streckung der Restlaufzeit die Kongruenz im Fall einer zu kurzen Finanzierungsdauer nachträglich wiederherstellen oder im Fall einer zu langen Finanzierungsdauer die Mehrbelastung auf einen noch längeren Zeitraum verteilen und wird damit für den Unternehmer leichter tragbar.

Dipl.-Kfm. Bastian Brügesch
Helmerichs Business Consulting

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